Der Pflegeprozess

Um die Qualität unseres Pflegedienstes nachhaltig zu sichern, arbeiten wir nach dem Pflegeprozess. Der Pflegeprozess besteht aus einer Reihe von logischen, voneinander abhängigen Überlegungs-, Entscheidungs- und Handlungsschritten, die auf eine Problemlösung hin ausgerichtet sind.

  1. Einschätzen des Pflegebedarfs, Pflegeanamnese

    Bereiche, in denen Pflegeprobleme und Bedürfnisse bestehen, werden anhand einer Informationssammlung zu folgenden Punkten erfasst.

    ATL

    1 - Wach sein und schlafen

    2 - Sich bewegen

    3 - Sich waschen und kleiden

    4 - Essen und trinken

    5 - Ausscheiden

    6 - Körpertemperatur senken

    7 - Atmen und Vitalzeichen

    8 - Sich sicher fühlen und verhalten

    9 - Raum und Zeit gestalten

    10 - Kommunizieren

    11 - Frau/ Mann fühlen

    12 - Sinn finden

    Diese Punkte dienen als Leitfaden und Gedankenstütze. Sehr viel genauer ist die Informationssammlung mit Hilfe der Pflegeanamnese, die routinemäßig beim Erstbesuch erstellt wird.

    Die Informationssammlung findet nicht nur bei der Aufnahme statt, sondern erfolgt fortwährend. Neue Informationen führen zu neuer Situationseinschätzung und Änderung der Schritte. Insbesondere bei der Evaluation der Pflege, z.B. im Rahmen der Pflegevisite werden, erneut regelhaft und geplant Informationen erfasst.

    • Gespräche

    • Auskunft von anderen an der Versorgung Beteiligten

    • Daten für unsere Informationssammlung erhalten wir durch:

    • durch das, was Patienten und / oder Angehörigen zufällig (im Rahmen der Versorgung) sagen

    • durch ein gezieltes Gespräch mit dem Patienten und / oder Angehörige. Wahrnehmung mit allen Sinnen (sehen, hören, riechen, tasten)

    • Beobachtung (Aussehen, Zustand, Verhalten)

    • Schriftliche Informationen, z.B. Pflegeüberleitungsbogen, Aufnahmeformulare, Arztbrief, diagnostische Anamnese, Krankengeschichte, etc.

  2. Planen der Pflege

    Die Planung der Pflege geschieht in drei Unterschritten:

    1. Erfassung der Probleme und Ressourcen

      • Welches sind die Probleme des Patienten, die für die Pflege von Bedeutung sind?

      • Welches sind die Ressourcen (vorhandene Fähigkeiten und Möglichkeiten) des

      • Patienten, die für die Lösung obiger Probleme von Bedeutung sind?

      • Die Problemformulierung muss objektiv, kurz und wesentlich, exakt und spezifisch sein. Sie muss eine Beobachtung enthalten ohne Interpretation und Werturteil. Sie muss sich auf den Patienten und die Pflege beziehen.

    2. Zielsetzung - Pflegeziel

      Zu jedem formulierten Pflegeproblem gehört ein Pflegeziel. Es muss realistisch, erreichbar und überprüfbar sein.

      Formuliert wird das Pflegeziel

      • so konkret und

      • so knapp wie möglich,

      • möglichst mit einem qualitativen oder quantitativen Hinweis, das die Überprüfung der Zielerreichung ermöglicht

      • mit einem Zeitelement, das die Überprüfung der Zielerreichung in Bezug auf einen Zeitkorridor ermöglicht

    3. Planung der Maßnahmen

      Formulierung der Pflegemaßnahme

      Jede Pflegeperson muss, auch wenn sie nicht an der Planung beteiligt war, erkennen können:

      • was zu tun ist (Pflegetätigkeit)

      • wie es zu tun ist (Arbeitsablauf)

      • wann bzw. wie oft es getan werden muss (Zeitpunkt/Häufigkeit)

      Die Formulierung soll deshalb

      • so kurz und knapp wie möglich, aber für alle an der Pflege Beteiligten verständlich sein.

      • konkrete Maßnahmen beschreiben, mit denen man das gesetzte Ziel am besten zu erreichen hofft

      • die Art, die Quantität, die zeitlichen Abstände der Maßnahmen angeben

  3. Durchführen der Pflege

    Die Durchführung der Pflegemaßnahmen bildet den Kern des Pflegeprozesses. Die Qualität der Pflege wird in erheblichem Maße von der Art und Weise der Ausführung bestimmt. Die Pflegemaßnahmen entsprechen einer Arbeitsanweisung im Sinne einer Pflegeverordnung. Die festgelegten Durchführungshinweise sind für jede Pflegeperson verbindlich. Abweichungen von den festgelegten Pflegemaßnahmen müssen schriftlich begründet und ebenfalls dokumentiert werden.

    Zur Durchführung zählt abschließend die Dokumentation.

  4. Evaluieren/Bewerten der Pflege

    In diesem Pflegeprozessschritt evaluieren wir die Pflege. Dazu ziehen wir unter anderem den Pflegebericht hinzu. Der Pflegebericht dient der Beurteilung der Pflegewirkung sowie der Informationssammlung.

    In unserem Pflegebericht dokumentieren wir den Verlauf und die Wirkung der Pflegemaßnahmen in Hinblick auf die Pflegeziele, sowie das wechselnde Befinden des Patienten.

    Die Eintragungen im Pflegebericht sollen sich auf genaue Beobachtungen stützen und z.B. im Rahmen der Pflegevisite auf folgende Fragen Antwort geben:

    • Was für eine Wirkung hat die Pflege auf den Patienten ?

    • Wie sind seine Reaktionen auf einzelne Maßnahmen?

    • Wie ist sein Befinden heute?

    • Sind Veränderungen in seinem Zustand aufgetreten: positive, negative, keine?

    • Inwieweit wurden die gesetzten Pflegeziele erreicht?

    Aufgrund dieser Beurteilung können Entscheidungen getroffen werden, ob die Ziele erreicht wurden oder ob neue Pflegemaßnahmen und / oder Pflegeziele notwendig sind.

    Folgende Ergebnisse sind denkbar:

    • Alle Pflegeziele wurden erreicht (Idealfall) und die Pflege ist abgeschlossen.

    • Es konnten nur einige Ziele erreicht werden.

    • Keines der geplanten Ziele konnte erreicht werden.

    • Bestehende Probleme sind bei der Planung nicht ausreichend berücksichtigt worden.

    • Es sind neue Probleme aufgetreten oder kurzfristig zu erwarten.

    Die Bewertung führt zur Sicherung und Weiterentwicklung der Planung, indem in unserem Pflegedienst ein Pflegevisitenstandard vorliegt, der regelt, welcher Mitarbeiter wie, wann und wo die Bewertung des Pflegeprozesses vornimmt. Überprüft werden alle Maßnahmen innerhalb des Pflegeprozesses auf Erfolg und Sinnhaftigkeit.